Wir trauern um Wolf-Dieter Narr

Sehr traurig müssen wir berichten, dass am Samstag unsere große Stütze, der dritte Empfänger des Freiheitspreises der Irren-Offensive, Wolf-Dieter Narr verstorben ist.
Das Grundrechtekomitee hat gestern eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht.
Nachrufe von Peter Grottian im Tagesspiegel
von Claus Leggewie in der Süddeutschen
von Rudolf Walther in der Taz
Ein Video der Freunde von Wolf-Dieter zu seinem 80 Geburtstag, siehe hier: https://youtu.be/ieSpdlVOMtQ
Seine gesammelten Schriften und wo sie zu finden sind (viele im Internet): https://wolfdieternarr.de
Ein Video, wie er im Foucault Tribunal 1998 kurz und bündig argumentiert hat, hier Minute 3:54 bis 6:09: https://youtu.be/jHvruV_Jdx4?t=234
Bilder vom 5. Russell Tribunal 2001 zur Frage der Menschenrechte in der Psychiatrie, das Wolf-Dieter Narr massgeblich mit getragen hat.

Wie vielfältig Wolf-Dieter Narr uns mit Wort und Schrift geholfen hat, ist an dieser Übersicht zu sehen:
2015 Nachgefragt – die Reform der Zwangsbehandlung mit Neuroleptika in der Praxis der Betreuungsgerichte Lesen Sie mehr »

Heuchelei statt Selbstbestimmung

Offener Brief an

Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)
Thomas-Mann-Str. 2-4
53111 Bonn

Bundesarbeitsgemeinschaft
Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Geschäftsstelle:
Vorbergstr. 9a
10823 Berlin
www.die-bpe.de
die-bpe@berlin.de

Heuchelei statt Selbstbestimmung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zunächst vielen Dank, das Sie uns durch Ihre im August 2019 veröffentlichte Stellungnahme zur Reform des Betreuungsrechts auf das Zwischenergebnis des BMJV aufmerksam gemacht haben.
Da wir allerdings einige Stellen in Ihrer Stellungnahme gefunden haben, die wir für bedenklich halten, möchten wir Sie darauf mit diesem offenen Brief hinweisen und gemeinsame Handlungsstrategien vorschlagen.

Festzuhalten ist, dass ältere Menschen und insbesondere alle Menschen, die mit der Psychiatrie Erfahrungen machen mussten, von den Entmündigungen betroffen sind, die seit 1992 irreführenderweise „Betreuung“ genannt werden (Zur Erinnerung: so entmündigt sind sogar zwangsweise Amputationen und gewaltsames psychiatrisches Elektroschocken möglich, § 1906 a BGB). Wir unterstellen deswegen ein gemeinsames Interesse und hoffen auf ein gemeinsames Vorgehen bei den Fragen einer grundlegenden Reform zu einem Betreuungsrecht, das tatsächlich diesen Namen verdient. Lesen Sie mehr »

Tests in der Psychiatrischen Klinik noch viel verheerender

Wie die Zwangspsychiatrie auch nach 1949 ihre Opfer weiter misshandelte und zu Versuchsobjekten erniedrigte, wird in der Schweiz anhand des Beispiels von dem Chefarzt der Klinik in Münsterlingen, Roland Kuhn, nunmehr im 5. Jahr aufgearbeitet, siehe:
13. Februar 2014: Schweiz: Aufarbeitung illegaler medizinischer Versuche geht weiter
3. November 2016: Psychiatrische Menschenversuche auch ohne Nazi-Regime, Teil II
Nun sind aktuell auch die Beträge bekannt geworden, die Roland Kuhn mit seinem verbrecherischen Tun von seinen Auftraggebern bekommen hat: Roland Kuhn soll dafür zwischen 1940 und 1980 3,5 Millionen Franken erhalten haben.
Siehe Bericht in der Aargauer Zeitung,
den Bericht eines seiner Opfer, Walter-Emmisberger hier,
und hier im Tagblatt,   Zitat daraus:
Im Auftrag des Kantons Thurgau arbeiteten Historiker den «Testfall Münsterlingen» auf. Das Buch mit den Ergebnissen zeigt auf, dass der Umfang der durchgeführten Tests in der Psyichiatrischen Klinik noch viel verheerender war, als bisher angenommen….

Wir trauern um Dorothea Buck

Dorothea Buck ist gestern im Alter von 102 Jahren verstorben.
Über ihre Arbeit und Leben schreibt Wikipedia: Dorothea Buck (* 5. April 1917 in Naumburg a. d. Saale, † 9. Oktober 2019 in Hamburg) war eine deutsche Autorin und Bildhauerin und bedeutende Persönlichkeit der Bewegung Psychiatrie-Erfahrener. Als Zwangssterilisierte war sie Opfer der Ärzte-Nazi Diktatur. Lesen Sie mehr »
Ein Nachruf in der Zeit, siehe hier.
Unvergessen ist z.B. ihr Beitrag bei der Gegenkonferenz zum Weltkongress der Psychiatrie 1999 in Hamburg: www.irren-offensive.de/rede_buck.htm

Demonstrationen erfolgreich !

Nachgehakt
Am 31.7. fand die erste von insgesamt  7 Anti-Anti-PEPP Demonstrationen vor dem Gesundheitsministerium statt:

Kein Cent für die Zwangspsychiatrie! – Dreht ihr den Geldhahn zu!

Der Aufruf siehe hier
Gemeinsames Flugblatt von dem BPE und die-BPE
Weitere Demonstrationen zum selben Thema gab es am 28.8. , 25.9. , 30.10., 27.11. –  Bilder siehe hier.
Am 24. 11. demonstrieren wir vor dem Eingang zur CORRECTIV-Redaktion in Berlin gegen das Podium von
Prof. Dr. Karl Lauterbach (dasmals stv. Vorsitzender SPD-Bundestagsfraktion)
Wulf-Dietrich Leber (Leiter Abteilung Krankenhäuser beim GKV Spitzenverband)
Prof. Dr. Matthias Heißler (Chefarzt psychiatrische Abteilung, Klinik Geesthacht)
Sie wollten über die Finanzierung der Zwangspsychiatrie schwadronieren und, damit der Rubel weiter rollt, mal wieder behaupten, alles nur zum Besten der Betroffenen zu tun. Wir hatten deren Täuschung erkannt und setzten dem entgegen, dass unsere Menschenrechte nicht weiter systematisch in der Zwangspsychiatrie verletzt werden dürfen!
Am 25.11.2015 Anti-DGPPN Demo vor dem CityCubeBerlin. Zur Eröffnung des DGPPN-Kongresses verteilten wir 1500 Exemplare des gemeinsamen Flugblatts von dem BPE und die-BPE

Vier Jahre danach kann man die Folgen sehen und dass unsere Demos erfolgreich waren!
Nun jammern die Ärzte in ihrem Ärzteblatt rum, Zitat:

Hoher Aufwand durch umfangreiche Dokumentationspflichten
Die DKG bemängelte insbesondere den hohen Aufwand durch umfangreiche Dokumenta­tionspflichten und einen starken Anstieg der Rechnungsprüfungen durch den Medizini­schen Dienst der Krankenkassen seit Einführung des PEPP-Systems.

Richtig deutlich wird unser Erfolg aber in diesem Bericht der „Welt“ vom 9.9.: Zitate:

Unwürdige Zustände in einigen Krankenhäusern hatte im März auch das „Team Wallraff“ auf RTL dokumentiert. [Siehe hier]…Vor bald drei Jahren gab der Bundestag dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Aufgabe, verbindliche Personalmindestvorgaben zu entwickeln, die wissenschaftsbasiert und zu einer leitliniengerechten Behandlung beitragen sollen. Doch nach Informationen von WELT scheitert der Ausschuss mit diesem gesetzlichen Auftrag wohl. Krankenkassen und Kliniken sind sich uneins, es geht seit Jahren kaum voran.
Auch ein Grund: Wegen Manipulationsvorwürfen kann eine Studie bislang nicht berücksichtigt werden, die den derzeitigen Zustand auf psychiatrischen Stationen erfassen sollte. [Siehe Bericht im Spektrum hier]…Es ist in der Tat so, dass wir in einem ersten Schritt nicht zu einer von allen gewünschten und notwendigen Weiterentwicklung der Personalstandards in der Psychiatrie kommen werden“, sagt Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Er spricht von einer „großen Enttäuschung“. Es bliebe im Moment nichts anderes übrig, als die veraltete Psychiatrie-Personalverordnung mit nur punktuellen Verbesserungen als Grundlage zu nehmen. Am 19. September will der G-BA entscheiden….von einem vernünftigen, schlüssigen Modell sei der G-BA derzeit weit entfernt. „Am Ende könnte es ein Scherbenhaufen werden.“

Hurra! Der Sand im Zwangs-Getriebe legt es schon nahezu lahm.
Wir freuen uns auf diesen 19.9. und bereiten einen Willkommensempfang wie bei der JUMIKO vor, siehe hier.

Sterilisation durch die Hintertür

Am 27.8. kam in Frontal 21 im ZDF ein 10 minütiger Bericht, dass Antidepressiva sehr oft zum nachhaltigen Verlust der Libido führen – regelmäßig auch noch nach dem Absetzen, also wie eine Sterilisation durch die Hintertür. Es wurde berichtet, dass 10% der Bevölkerung diese Drogen verschrieben bekämen und 90% diese dann länger als ein Jahr nähmen, also wären 9 % der Bevölkerung betroffen!
Hier das Link zum Bericht in der Mediathek des ZDF

Und nun hat das medizinische Gewerbe dem Ganzen einen diagnostischen Titel gegeben: PSSD. Momentan seien keine Therapien/Heilmittel bekannt, die PSSD beheben könnten. Einige Betroffene sollen sich aber mit der Zeit von alleine erholen, sagt die PSSD Hilfe Deutschland e. V. Und, Experimente mit Nagetieren! seinen im Gange, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass gäben. So kann man sich wenigstens selbst zum Eichhörnchen phantasieren, um mal andere, typische Labortiere unerwähnt zu lassen.
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Diese Meldung wird sinnvoll dadurch ergänzt, dass in einem Bericht der Neue Züricher Zeitung Antidepressiva laut einer großen Übersichts-Studie kaum besser als Placebos wirken, aber dennoch massenweise verschrieben werden, siehe: https://tinyurl.com/y6xbp6ky
Die DGSP betrachtet diese Situation mit großer Sorge und deren Fachausschusses Psychopharmaka hat deshalb ein „Positionspapier“ veröffentlicht, in dem alle gängigen Thesen widerlegt werden, warum gegen Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit (medizinalisiert „Depression“ genannt ) Pillen gegeben/genommen werden sollen: https://tinyurl.com/y2x44enm
Auf den von der DGSP nun aufgegriffenen offensichtlichen Widerspruch, dass die Pillen nach der Einnahme sofort den Hirnstoffwechsel verändern, aber eine Wirkung erst nach 6 Wochen bemerkt wird, hat Ron Leifer schon vor 21 Jahren im Foucault Tribunal hingewiesen, wie im Video hier zu sehen ist:  https://youtu.be/jHvruV_Jdx4?t=976
Ruchlos, typisch Psychiater: Unwirksame Pillen verschreiben, die einem dann erst richtig schaden.

DGPPN – verlogene Heuchler

Was für faustdicke Lügen die Fachgesellschaft der Psychiater, die DGPPN auftischt, um zu heucheln, ihr läge etwas an Menschenrechten, ist schon infam: Sie behauptet in ihrer Werbung, in der Behindertenrechtskonvention stünde, Zitat:
Das Vorliegen einer Behinderung alleine rechtfertigt keine Freiheitsentziehung. Siehe: https://www.dgppn.de/schwerpunkte/menschenrechte/aktionsplan-un-brk/selbstbestimmung.html
Die DGPPN wurde seit 10 Jahren zig mal darauf hingewiesen, dass dieses behauptete „allein“ eine verlogene Schutzbehauptung ist, um mit den Menschenrechtsverletzungen der Psychiatrie munter weiter zu machen. Die UN hat schon am 26.1.2009 dokumentiert (Dokument Nr. A/HRC/10/48, Nr. 48) Zitat:
In Artikel 14 Absatz 1(b) des Übereinkommens heißt es unmissverständlich, dass „das Vorliegen einer Behinderung in keinem Fall eine Freiheitsberaubung rechtfertigt“. Während der Ausarbeitung des Übereinkommens wurden Vorschläge verworfen, die das Verbot der Inhaftierung auf die Fälle begrenzen wollten, die „allein“ von Behinderung bedingt sind.

Aber was ist von staatlich geschützten Verbrechern anderes zu erwarten als Lug und Trug?

Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Sachsen

Wahlprüfsteine der  Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener
für die Landtagswahl am 1.9.2019 in Sachsen

Die Fragen unten hat die-BPE der CDU, SPD, FDP, DIE LINKE und GRÜNE jeweils mit der Bitte um Antwort als Wahlprüfsteine und mit einem Hinweis auf die anschließende Veröffentlichung gestellt. Die Ergebnisse der Umfrage: Lesen Sie mehr »

Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Brandenburg

Wahlprüfsteine der  Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener und des Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg
für die Landtagswahl am 1.9.2019 in Brandenburg

Die Fragen unten hat die-BPE und der LPE B-B der CDU, SPD, FDP, DIE LINKE und GRÜNE jeweils mit der Bitte um Antwort als Wahlprüfsteine und mit einem Hinweis auf die anschließende Veröffentlichung gestellt. Die Ergebnisse der Umfrage: Lesen Sie mehr »

RA Dr. Schneider-Addae-Mensah zu psychiatrischen Irrtümern bei vorausverfügten Therapieablehnungen

Rechtsanwalt Dr. David Schneider-Addae-Mensah hat sich die Mühe gemacht, diesen sowohl aus rechtlicher als auch aus ethischer Sicht, bedenklichen Beitrag von von Jakov Gather · Tanja Henking · Georg Juckel · Jochen Vollmann, in „Ethik Med“ (2016), Springer 2016 zu kommentieren und deren typisch psychiatrischen Irrtümern zu widersprechen. Sie sind offensichtlich der Gewaltbereitschaft und Herrschaftslogik dieser Autoren geschuldet.

Anmerkung zu dem Beitrag:
„Vorausverfügte Therapieablehnungen in Situationen von Eigen- oder Fremdgefährdung. Ethische und rechtliche Überlegungen zur Umsetzung von Patientenverfügungen in der Psychiatrie“
von Jakov Gather · Tanja Henking · Georg Juckel · Jochen Vollmann, „Ethik Med“ (2016), Springer 2016 – im Internet hier.

Vollständig ist der Kommentar hier veröffentlicht: https://www.die-bpe.de/anmerkung_mensah.htm

Zitate:
Patientenverfügungen können niemals zu klinisch und ethisch schwierigen Situationen führen, weder bei gerichtlich angeordneter Freiheitsentziehung, noch ohne eine solche. Zu rechtlich und ethisch problematischen Situationen kann es allenfalls dann kommen, wenn wirksame Patientenverfügungen durch Therapeuten ignoriert werden. Regelmäßig kommt es dann zu strafbaren Freiheitsberaubungen und Körperverletzungen, die im Extremfall den Tatbestand der Folter gemäß Art. 1 VN-Folterkonvention erfüllen. Denn es ist eindeutig, daß bei wirksamen Patientenverfügungen weder ein Festhalten eines Patienten in einer Klinik noch seine irgendwie geartete „Therapierung“ erlaubt sind.

Der vorliegende Beitrag setzt sich daher kritisch mit jenem von Gather u.a. auseinander und analysiert deren Empfehlungen sowohl aus menschenrechtlicher, grundrechtlicher und strafrechtlicher als auch aus ethischer Sicht.

I. Verbindlichkeit der Patientenverfügung – der Ausgangsfall

Zutreffend stellt der kritisierte Beitrag dar, daß eine wirksame Patientenverfügung gemäß  § 1901a BGB rechtsverbindlich ist. Unklar ist, wie hieraus rechtliche oder ethische Probleme erwachsen können sollen…. Lesen Sie mehr »