UN-BRK-Komitee Bericht über Deutschland veröffentlicht

un_flagGenf: Heute wurden die Concluding observations on the initial report of Germany vom UN-Fachausschuss für die Behindertenrechtskonvention im Internet veröffentlicht – als Word Dokument .doc unter dieser Adresse abzurufen.
Wir werden den Bericht nächste Woche analysieren, die wichtigsten Stellen übersetzen und hier veröffentlichen.

Nina Hagen: Verbrechen sind nicht per psychiatrischer Diagnose vorhersagbar

Anina-hagenuf Seite 17 groß aufgemacht befragte die Taz am letzten Samstag anlässlich des mutwillig herbeigeführten Absturzes der German Wing Maschine verschiedene Prominente, ob es zu wenig “Psychotherapie” gäbe, in der Frage unterstellend, es habe etwas mit einer “Krankheit” des Piloten zu tun gehabt.

Nina Hagen wird so zitiert und beschrieben:

Verbrechen sind nicht per psychiatrischer Diagnose vorhersagbar.
Geisteskrank? Psychotherapie? Ihre eigene Entscheidung!

Nina Hagen, Schirmfrau der PatVerfü, die sich für Patientenverfügungen gegen Psychiatrisierung einsetzt.

Damit ist zutreffend gesagt, worum es geht: Ein Verbrechen kann von einem Gesunden wie einem Kranken, mit oder ohne Drogen usw. begangen werden. Es ist eine moralische, eine rechtliche Frage, wie dieses Verbrechen zu beurteilen ist, aber es ist keine Frage eines Unfalls, der kausal erklärbar und damit vorhersagbar wäre. Stattdessen muss nach Gründen für das Verhalten des Piloten gesucht werden, weil es keine technisch vorherseh- und beseitigbare Ursachen gibt.

Davon logisch-kategorial völlig unabhängig ist die Frage, ob jemand sich dafür entscheidet, “Geisteskrank” diagnostiziert werden zu können (weil er sich dagegen entschieden hat, eine PatVerfü zu haben), und Psychotherapie in Anspruch zu nehmen.

Remembrance and Resistance Day 2015

t4_umzug_2014_bild_1Ankündigung:
Am 2. Mai findet um 14 Uhr unser 21. Remembrance and Resistance Day statt:
Treffpunkt wie immer Tiergartenstr. 4 in Berlin. Ein extra Aufruf folgt noch.

‘Direkt Aktion Training’

Am Samstag, 16. und 17. Mai jeweils von 11:00-18:00Uhr kann man sich an einem kostenlosen “Direkt Aktion Training” mit Jörg Bergstedt im Beratungszentrum des Weglaufhauses in der Kreutzigerstraße 18 in Friedrichshain beteiligen. Bitte sich per Mail an das Weglaufhaus anmelden.
Es werden noch 2 weiße Bettlaken, etwas Farbe und Straßenkreide zu Übungszwecken benötigt; Essensspenden, Salate, Kuchen, Chips sind willkommen.

Der Grosse Irrtum gesetzliche Betreuung

mayerDr. Werner Mayer veröffentlicht seine Krankenakte und berichtet in dieser sehr lesenswerten Website
Zitate aus dem Resümee:

DER  IRRSINN  PSYCHIATRISCHER  FANTASIEDIAGNOSEN
Ich habe fast das Ende meiner Reise in meine Vergangenheit erreicht – einzig Sozialpsychiatrie Charlottenburg bockt noch, keine Akteneinsicht. Hier wurde der aussergesetzliche Notstand ausgerufen. Die Behörden haben den gänzlich anderen Verlauf noch bei weitem nicht zur Kenntnis genommen. In der Sozialpsychiatrie Kreuzberg wurde nach meinem vehementen persönlichen Erscheinen vor kurzem in 2015 zur Akteneinsicht sofort ein Psychiatrischer Vermerk erstellt, so als wäre die Jagd auf mich noch nicht eingestellt. Das Stigma Geisteskranker haftet auf Ewigkeit.

Mein aktuelles Leben ist seit meiner Befreiung aus der gesetzlichen Betreuung von durchgehend gehobener Stimmung gekennzeichnet, kein Schwenk in eine schwere Depression, die nach den düsteren Prognosen schon längst hätte eintreffen müssen. Ich habe alle mein inadäquaten Zukunftspläne, Hirngespinste und megalomanen Fantasien weit übertroffen und ernte noch immer Bewunderung aus neuen Begegnungen, praktische alle früheren Vertrauten blieben weg, diesen radikalen Wandel zurück vom Sterbebett ins pralle Leben war sie nicht begreifbar. …

Der Grosse Irrtum gesetzliche Betreuung
Ich hoffte auf Entlastung in der Zeit meiner schweren Erkrankung, was ich bekam, war der Versuch, die totale Herrschaft über mich zu erlangen, niederknüppeln all meiner Potentiale, Abschiebung in die unterste Rumpelkammer und dafür auch noch abkassieren. Das wünsche ich niemanden.

Lügenmärchen der Bundesregierung bei der UN in Genf

Am 26.und 27. März haben Vertreter der Bundesregierung in Genf bei der Anhörung des UN BRK-Fachausschusses zum Staatenbericht über Deutschland so offenkundig gelogen, wie es besser nicht mehr demonstriert werden kann:
Die Aussagen wurden per Video im Internet übertragen und zusätzlich aufgezeichnet. Aus diesem Archiv haben wir die markantesten Stellen zum Betreuungsrecht und zur Folter in der Psychiatrie herausgeschnitten und bei Youtube veröffentlicht:

A) Deutschland macht es vor – so einfach kann sich jeder Staat, der foltert, der Verantwortung entziehen – einfach nur Regierungsvertreter erklären lassen:
Bei uns wird nicht gefoltert, wir sehen das anders.
Nur negieren und schon gibt es keine Folter mehr.
Eine bessere Vorlage, wie lapidar Folter weg geleugnet werden kann, konnte die BRD nicht geben.
Deutschland, das Muster für jeden Folter-Staat!
Längeres Video (4:25) hier.
Kurzfassung (2:40) ohne die erste Frage des Mitglieds des Komitees Silvia Judith Quan-Chang hier.


B) Die Lügenmärchen der Bundesregierung zur Entmündigung durch das irreführend “Betreuung” genannte Unrecht sind hier dokumentiert – mit unseren Untertiteln, was da geheuchelt und gelogen wurde, siehe Video oben:

Ob das alles von dem Genfer UN-Komitee verstanden wurde und wie es darauf regiert, wird diese Woche in den sog. “Concluding Observations” noch nachgelesen werden können, siehe hier.
Wir werden darüber berichten.

Die UN-Behindertenrechtskonvention und die Frage, warum psychiatrische Gewalt in Deutschland weiterhin praktiziert wird

un_flagTelepolis berichtet heute mit einem Interview über die Anhörung des UN-Fachausschusses zur Behindertenrechtskonvention zum Staatenbericht über Deutschland am 26. und 27. März in Genf ; Zitat vom Anfang daraus:
“Zwangspsychiatrie und Zwangsbetreuung sind mit der UN-Behindertenkonvention unvereinbar”
Peter Nowak 06.04.2015
Rene Talbot über die UN-Behinderten-Konvention und die Frage, warum psychiatrische Gewalt in Deutschland weiterhin praktiziert wird
Ende März wurde die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention erstmals vor dem UN-Fachausschuss geprüft. Dabei ging es auch um die Frage, wie weit die in Deutschland praktizierten psychiatrischen Zwangsmaßnahmen und der Zwangsbetreuungen mit der UN-Konvention vereinbar sind. Organisationen der Zivilgesellschaft in Deutschland haben sich zu der BRK-Allianz für einen “Koordinierten Parallelbericht” zusammengeschlossen. Peter Nowak sprach mit Rene Talbot vom Landesverband Psychiatrieerfahrener Berlin-Brandenburg über die Anhörung und die Frage, warum psychiatrische Gewalt in Deutschland weiterhin praktiziert wird.

Sie konnten die Anhörung des UN-Fachausschuss für die Rechte der Menschen mit Behinderungen verfolgen, der am 26. und 27. März den deutschen Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Deutschland geprüft hat. Welche Probleme hat der Ausschuss angesprochen?

René Talbot: Von den vielen Fragen und Problemen, die in dieser 13. Sitzung des Komitees in Genf angesprochen wurden, will ich mich auf die beschränken, die mit der gemeinsamen Eingabe der beiden bundesweiten Organisationen Psychiatrie-Erfahrener an das Komitee zu tun haben. Dabei geht es um einen zentralen Punkt in der BRK, den Artikel 12, in dem die gleiche Anerkennung vor dem Recht festgeschrieben ist. Dessen Absatz 2 lautet: “Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mit anderen Rechts- und Handlungsfähigkeit genießen.”

Was bedeutet diese Klausel für die Psychiatrie?

René Talbot: Grundsätzlich ist damit alles unvereinbar, was die Zwangspsychiatrie ausmacht: Zwangsdiagnose, Zwangseinweisung, Zwangsbehandlung. …

Dass vollständige Interview mit Möglichkeiten zu kommentieren hier: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44582/1.html

Schmerzensgeld für Fixierung und Zwangsbehandlung

urteilDas Landgericht Berlin hat am 28.1.2015 entschieden, dass für eine Fixierung von 16 Stunden und eine psychiatrische Zwangsbehandlung mit Neuroleptika als Amtshaftung ein Schmerzensgeld von 5000,- € an den betroffenen Kläger bezahlt werden muss.
Damit ist ein weiteres Urteil bekannt geworden, dass die Höhe der Schmerzensgeldes für die durch Zwang zu erduldende Körperverletzung bei einer Zwangsbehandlung festlegt.
Das Urteil ist vollständig hier nachzulesen.

‘Betreuung’ ist Entmündigung

Entmuendigt - Berliner Kurier Titelblatt grossDie Boulevard-Presse schließt sich unserer Sicht und Sprechweise an, dass die sogenannte “Betreuung” tatsächlich Entmündigung geblieben ist.
Das Titelblatt des Berliner Kurier vom 30.3. beweist das, siehe Bild links.
Der Bericht ist hier zu lesen.
Sehr erfreulich – RA Alexander Paetow wird richtig zitiert:
Entmündigung: Das muss ich jetzt wissen

Wir empfehlen die PatVerfü, die Patientenverfügung mit integrierter Vorsorgevollmacht:
http://www.patverfue.de

Gerhard Strate liest aus ‘Der Fall Mollath’