ZDF berichtet über die Zwangspsychiatrie

Am 11.11.2014 wurde im ZDF in Frontal 21 ein Bericht über das Kerkersystem mit Folterregime gesendet, wie Michel Foucault die Zwangspsychiatrie nannte. Mit

  • Bildern von Ilona Haslbauer in Freiheit, die von ihrer 7 jährigen Gefangenschaft, Isolationshaft, Fixierungen, Demütigungen und Entwürdigungen aus nichtigem Anlass berichtet.
  • Nina Hagen, die auf der Bühne im Berliner Ensemble “Weg mit dem § 63″ fordert und Gedichte von Ilona vorträgt,
  • den haarsträubenden Ausreden eines grausamen Forensik-Chefarztes verantwortlich für bis zu 60 tägige Fixierung,
  • und dem arroganten Schweigen einer verantwortlichen Ministerin.

Dieser Betrag wird hier mit den wichtigsten Ausschnitten zitiert:

“Deutschland deine Künstler”

Nina_Hagen_miniAm Sonntag, 16.11. um 23.30 Uhr wird in der ARD in der Reihe “Deutschland deine Künstler” Nina Hagen porträtiert!
Dabei werden auch Ausschnitte von unserem letzten T4 Umzug am 2. Mai im Fernsehen gezeigt.
Neben vielen interessanten Bildern, Interviews und Berichten über Nina, bekommt damit erstmals ein großes Publikum auch unseren Protest gegen das geplante Berliner PsychKG zu sehen:

Berliner Senat will mit
Gestapomethoden
seine Psychiatrien beliefern !

Danke Nina, dass Du Dich so einsetzt, die PatVerfü beschirmst und so großartig mit uns kooperierst!

Politik und Pädagogik

WeglaufhausKritik an der Praxis des Weglaufhauses von einem ehemaligem Mitarbeiter

Auch wenn wir nicht mit allen darin vertretenen Meinungen übereinstimmen, halten wir die Kritik von Stefan Lange für einen wichtigen Text, der gut begründet ist und der auch öffentlich diskutiert werden sollte. Der Titel seiner Schrift ist “Politik und Pädagogik” und im Internet hier zu finden: www.anti-psychiatrie.de/politik_und_paedagogik.html

Zitate draus:

…Zur Schreibweise: Ich verwende “Antipsychiatrie” und “antipsychiatrisch” für die Neue Antipsychiatrie, sowie “Anti-Psychiatrie” und “anti-psychiatrisch” für die alte, bzw. ursprüngliche Anti-Psychiatrie….

…Wer die Geschichte der Professionalisierung des Weglaufhauses als die Geschichte einer unechten Alternative zur Psychiatrie, als eine des Scheiterns aus konzeptioneller Selbstwidersprüchlichkeit erzählt, setzt sich automatisch dem Vorwurf des Ideologischen und des Zynismus aus. Dieser Vorwurf markiert das Zentrum der zu Beginn angesprochenen Spaltung der Selbsthilfegruppe und ist damit in der Gründungsidee der Neuen humanistischen Antipsychiatrie und des Weglaufhauses tief verankert….

….Der Zynismus-Vorwurf der Neuen und humanistischen Antipsychiatrie basiert auf dem moralischen Argument, die personenbezogene Hilfe sei der Gesellschaftskritik kategorisch vorzuziehen – dieses Argument lässt sich aber genauso umkehren: Weil auch der Wunsch nach Fremdbestimmung, z.B. als Wunsch nach Versorgung bei Erschöpfung, zu respektieren ist, liegt der eigentliche Zynismus nicht in der Gesellschaftskritik der ursprünglichen oder alten Anti-Psychiatrie, sondern darin, dass die Neue Antipsychiatrie die Probleme, deren gesellschaftliche Bedingungen sie nicht mehr interessieren, mit Mitteln lösen muss, die ihren eigenen Grundsätzen widersprechen – was nicht erfolgreich ist und nicht sein kann. Neben unveränderten Bedingungen hat dies also eine Verschlechterung der emotionalen, rechtlichen und materiellen Lebenssituation der Betroffenen zur Folge. …

…Dass moralische Argumente einen ideologischen Antagonismus markieren und sich beliebig funktionalisieren lassen, war eines der zentralen Argumente der Anti-Psychiatrie, um den repressiven oder disziplinierenden Kern der Humanistischen Psychiatrie aufzuzeigen: Es macht keinen Sinn, einen moralischen Wettlauf mit der Psychiatrie um die humanere Hilfe aufzunehmen, weil Psychiatrie kein moralisches, sondern ein gesellschaftspolitisches Problem, ein Problem realer Interessen ist, in deren Dienst jede Moral und Pädagogik einzutreten hat. Die Doppelzüngigkeit der moralischen Argumentation, die aus dem anfänglichen Zögern den Schritt zur Realisation des Weglaufhauses begründete, begründet zugleich einen systematischen Selbstwiderspruch.

Das Kriterium für Unechtheit ist der systematische Widerspruch mit den eigenen Grundsätzen. Diese Variante des Widerspruchs ist keine logische oder formale, sondern die einzige inhaltliche, umgangssprachlich auch als “Unglaubwürdigkeit” oder “Heuchelei” bekannt. Die vielfachen strukturellen Bedingungen für die Dynamik eines solchen Selbstwiderspruches haben sich meiner Erfahrung nach in der mittleren Phase des Berliner Weglaufhauses, den Jahren um das 10-jährige Bestehen, deutlich herauskristallisiert. …

…Ich begreife Anti-Psychiatrie als soziale Bewegung und eine Bewegung braucht ein Ziel außerhalb ihrer selbst, sonst dreht sie sich im Kreise, verzweifelt um Selbsterhalt bemüht, des Selbstbewusstseins aber beraubt. Eine soziale Bewegung – hier lässt mir der Respekt vor der Grammatik keine Wahl – die sich anti- formiert und formuliert, strebt nach Verhältnissen, die sie selbst überflüssig machen. Dieses Streben kann sich auch in Alternativen ausdrücken, wenn diese Ziele außerhalb ihrer Selbsterhaltung und der Vermarktung verfolgen: Eine Realisierung von Alternativen zur Psychiatrie sollte die Veränderung der Realität nicht aus den Augen verlieren. …

….Ob eine Entkopplung von der Anti-Psychiatrie das Weglaufhaus zu einer echten Alternative zur Psychiatrie machen würde, ist die Frage, die zwischen den Zeilen steht: Dass schon die Umorientierung und Reduktion auf pädagogische Fragen personenbezogener Hilfen, durch die sich die Neue und humanistische Antipsychiatrie formiert hat, als konsequente Fortsetzung der Ausbreitung und Modernisierung der Psychiatrie verstanden werden kann, hat sich m.E. im Prozess der Absorption auf vielfältige Weise gezeigt: Weil Psychiatrie und Pädagogik auch im 20. und 21. Jahrhundert das Tandem bilden, das sie im 18. und 19. gebildet haben, zeigt die konzeptionelle Ausrichtung des Weglaufhauses schon von vornherein eine Affinität zur Funktion der modernen Psychiatrie. …

…Die Fremdbestimmung des Weglaufhauses, der ehemals Autonomen Selbsthilfegruppe Psychiatrieerfahrener, hat einen Teil der sozialen Bewegung, zu der ich mich zähle und in der ich mich austausche, offensichtlich in schwierige Konflikte gebracht: V.a. den der Hilflosigkeit, resultierend aus der Unklarheit der Bedeutung der Psychiatrieerfahrung für das Weglaufhaus, die aus der Praxis nicht evident wird. Das Weglaufhaus ist nicht durch die Vielstimmigkeit der Psychiatriebetroffenen an seinen konzeptionellen Ambitionen gescheitert, sondern weil es diese in einem genuin anderem Sinn, nämlich dem des Pädagogischen zu binden versucht hat. …

….Der Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. kann meiner Einschätzung nach seine Potenziale nur wiedergewinnen, indem er die Setzung einer emanzipativen Realität wieder in Anspruch nimmt und seiner Aufgabe als Trägerverein des Weglaufhauses gerecht wird. …

Dieser kleine Ausschnitt an Zitaten soll nur Appetit machen, den ganzen Text zu lesen, der gespickt mit Fussnoten zeigt, dass der Autor das Denken mit philosophischem Tiefgang gelernt hat: www.antipsychiatrie.de/politik_und_paedagogik.html

Stefan Langes Aufforderung zur “Setzung einer emanzipativen Realität” hat das Plenum des Werner-Fuss-Zentrum so verstanden, wie es im folgenden, von seinem Plenum beschlossenen, Kommentar zum Ausdruck kommt:

Produktive Antwort auf die Kritik der Weglaufhauspraxis von Stefan Lange – eine Anregung

Es ist unserer Ansicht nach jetzt ein guter Zeitpunkt, statt in Abwehrhaltung gegen diese Kritik zu verfallen, sie produktiv zu wenden und OHNE ein „weiter so“ eine neue Phase des Weglaufhauses zu beginnen.

Dabei müsste in die Offensive gegangen werden:
Das Weglaufhaus soll seinem Begriff gerecht werden und JETZT von den Zuwendungsgebern verlangen:

•  Die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) sowie die UN-Antifolterkonvention stellen alle zwangspsychiatrischen Massnahmen illegal

•  Das Weglaufhaus sieht seine Aufgabe darin insbesondere denen zu helfen, die aus noch bestehenden Zwangseinrichtungen entflohen sind.

•  Wenn der Zuwendungsgeber dies nicht einsehen sollte, sondern nur die psychiatrischen Verbrechen der Körperverletzung und Freiheitsberaubung weiter unterstützen will, dann verweigern wir (Weglaufhaus) die Kooperation mit dem sozialpsychiatrischen Dienst.

•  Wenn das mit einer Verweigerung der Mittel der Zuwendungsgeber beantwortet werden sollte, werden alle möglichen Anstrengungen unternommen, die verbrecherische Politik des Senats öffentlich zu machen und schlimmstenfalls solange auf Mittel und neue Bewohner zu verzichten, bis dieses Ziel erreicht ist.

•  Im Gegensatz zum Jahr 1996 besteht nun die BRK und damit die legitime (wenn auch noch nicht Mehrheits-) Rechtsauffassung, dass Zwangspsychiatrie ein Verbrechen ist.

Wir halten es deshalb für einen besonders guten Zeitpunkt, JETZT diese neue Phase zu beginnen, weil die Senatsverwaltung für Gesundheit ein neues PsychKG als Gesetzesnovelle ausgearbeitet hat, in der sogar nicht davor zurückgeschreckt wird, mit Gestapomethoden gegen irgendwie als „geisteskrank“ gewähnte oder denunzierte Mitbürger vorzugehen.

Das Plenum des Werner-Fuss-Zentrum am 5.11.2014

Erzwungene “Rechtliche Stellvertretung ist mit der BRK prinzipiell nicht vereinbar”

degener„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

Auch RechtsprofessorInnen können mal falsch liegen und sich später korrigieren.
Besonders charmant hat das Frau Prof. Theresia Degener getan, die die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) mit ausgearbeitet hat und nun als Mitglied des Genfer UN-Fachausschuss dessen ersten allgemeinen Kommentar mit ausgearbeitet hat, siehe Seite 1 hier.
Zitat:

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Diesen Aphorismus von Francis Picabia erlebte ich in dieser Zeit praktisch. Meine Position wechselte von „Rechtliche Stellvertretung sollte die Ausnahme bleiben“ zu „Rechtliche Stellvertretung ist mit der VN-BRK prinzipiell nicht vereinbar“. Diese Auslegung des Artikel  12 VN-BRK entspricht dem Menschenrechtsmodell von Behinderung, wonach Menschenrechte nicht an mentale, psychische oder körperliche Funktionsfähigkeiten geknüpft werden dürfen.

Endsprechend macht sie sich auf Seite 5 ihres Berichtes hier diese völlige Abschaffung der Zwangspsychiatrie zu eigen.
Zitat:

So wie Artikel 12, 14 und 17 VN-BRK die radikale Abkehr von Stellvertretung, Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung verlange, so fordere Artikel 24 die radikale Abschaffung jeder Form von Segregation im Bildungssystem

Dieses öffentliche Bekenntnis zur Unvereinbarkeit der Zwangspsychiatrie wie Zwangs”betreuung” mit der BRK und die daraus logisch folgende Forderung nach Abschaffung aller psychiatrischen Sondergesetze freut uns sehr! Wir hatten das schon 2007 so gesehen.

Tötliche Fixierung

fixierbettIn Dänemark diskutiert:
Tötliche Fixierung

Im MDR wurde am 4.11. in der Sendung “Brisant” über Fixierungen in Pflegeheimen berichtet, die angeblich zum Schutz der Fixierten vorgenommen über Nacht ein tötliches Ende genommen haben. Auch ein Hinweis auf deutsche Verhältnisse fehlt nicht und ein Kritiker dieser Methoden kommt ebenfalls zu Word.

Gelungene Befreiung

mayerHinweis auf eine Website mit der Dokumentation einer glänzend gelungenen Befreiung aus einer Betreuung. Dr. Werner Mayer berichtet über seine Erfahrungen von einem “der durch die Hölle ging” hier.
Wir gratulieren!
Hier befinden sich weitere Berichte über Erfahrungen mit als “Betreuung” irreführend bezeichneter Entmündigung.

Behindertenrechtskonvention verbietet jede Betreuung gegen den Willen

 

Klaus LachwitzDas Recht von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen auf unterstützte Entscheidungsfindung und auf Abkehr von Maßnahmen der rechtlichen Vertretung

Inhalt und Bedeutung des Allgemeinen Kommentars Nr. 1 (General Comment No.1) des UN-Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu Art. 12 – BRK (Gleiche Anerkennung vor dem Recht)

Klaus Lachwitz
, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der “Lebenshilfe” und Präsident von “Inclusion International”, der an der Erarbeitung der UN-BRK unmittelbar mitgewirkt hat, erklärt in diesem Beitrag belegt mit dem Text der Konvention deren rechtliche Konsequenzen, deren Bindungswirkung, und weist auf die Aussagen der Stelle hin, die zur Interpretation der Konvention eingerichtet wurde.
Unbedingt den ganzen Text hier lesen:
http://www.die-bpe.de/klaus_lachwitz.htm
Zitate:

…Welche Sprengkraft Art. 12 BRK entfaltet, wird deutlich, wenn man versucht, den Inhalt der Absätze 2 und 3 in der Terminologie des deutschen Rechts zu beschreiben. Danach wären alle Menschen mit Behinderungen unabhängig von Art und Schweregrad ihrer Behinderung aus rechtlicher Sicht in gleicher Weise wie nichtbehinderte Menschen geschäfts- und einwilligungsfähig und könnten verlangen, dass Deutschland ihnen die rechtliche Unterstützung zukommen lässt, die es ihnen ermöglicht, ihre Geschäfts- und Einwilligungsfähigkeit selbst auszuüben. Die gesetzliche Vertretung durch Dritte würde auf diese Weise verdrängt. …

…Für die von den Vereinten Nationen bislang verabschiedeten Menschenrechtskonventionen, zu denen z.B. der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) von 1966 zählt, gilt die Besonderheit, dass die Vereinten Nationen Ausschüsse eingesetzt haben, denen u.a. die Aufgabe übertragen ist, rechtliche Hinweise zur Auslegung der in den Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte enthaltenen Artikel zu entwickeln….

…In seiner 11. Sitzung (31.03.2014 bis 11.04.2014) hat der UN-BRK-Ausschuss seinen ersten allgemeinen Kommentar zu einer einzelnen Bestimmung der BRK verabschiedet, und zwar zu Art. 12 BRK. Dabei wurde deutlich, dass der Ausschuss deshalb mit einer Kommentierung des Art. 12 BRK begonnen hat, weil diese Vorschrift eine Schlüsselfunktion für den Großteil der von der Weltgesundheitsorganisation auf etwa 1 Mrd. geschätzten Menschen mit Behinderungen einnimmt. Umfragen und rechtsvergleichende Untersuchungen hätten ergeben, dass weltweit vielen Menschen mit Behinderungen die Rechts- und Handlungsfähigkeit (Legal Capacity) abgesprochen werde. Damit seien diese Personen von der persönlichen Ausübung ihrer zivilen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte ausgeschlossen. Art. 12 BRK sei mit dem Ziel in die BRK eingeführt worden, diesen Zustand zu beenden…

…Der Ausschuss hat aus den von ihm geprüften Staatenberichten die Schlussfolgerung gezogen, dass viele Vertragsstaaten hinsichtlich ihrer sich aus Art. 12 BRK ergebenden Verpflichtungen einem generellen Missverständnis unterlägen: Es sei ein „mangelhaftes Verständnis“(S.1) dafür anzutreffen, dass das in der BRK verankerte menschenrechtliche Modell der Behinderung einen Paradigmenwechsel von der stellvertretenden Entscheidung (substituted decision­making) zu einer unterstützten Entscheidungsfindung (supported decision-making) bewirkt habe. Der General Comment No.1 zu Art. 12 BRK verfolge das Ziel, die Verpflichtungen der Vertragsstaaten, die sich aus Art. 12 ergeben, zu ermitteln und beinhalte eine Interpretation des Art. 12, die sich aus der Allgemeinen Verpflichtung der Vertragsstaaten gemäß Art. 3 BRK ableite, nämlich „die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit.“
Aus historischer Sicht sei festzustellen, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf Rechts- und Handlungsfähigkeit in vielen Lebensbereichen in diskriminierender Weise auf der Grundlage von Konstrukten der rechtlichen Vertretung (substituted decision–making regimes) versagt worden sei, z.B. durch die Anordnung von Vormundschaften (guardianship), Pflegschaften (conservatorship) und durch rechtliche Regelungen zur geistigen Gesundheit (mental health laws), die die Zwangsbehandlung (forced treatment) erlauben. „Diese Praktiken müssen abgeschafft werden, um sicherzustellen, dass die volle Rechts- und Handlungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen wiederhergestellt wird“(S.2). Die Weigerung, Menschen mit Behinderungen die Rechts- und Handlungsfähigkeit zuzuerkennen, habe in vielen Fällen dazu geführt, dass diesen Personen fundamentale Rechte aberkannt worden seien, wie das Wahlrecht oder… das Recht, in medizinische Behandlung einzuwilligen...

…„Gemäß Art.12 BRK dürfen unterstellte oder tatsächliche Defizite der geistigen Fähigkeit nicht als Rechtfertigung herangezogen werden, um Rechts- und Handlungsfähigkeit zu verneinen“ (S.3). Der Ausschuss führt in den Ziffern 12 und 13 des General Comment No.1 zu Art. 12 BRK aus, die meisten der von ihm bislang überprüften Staatenberichte machten deutlich, dass viele Vertragsstaaten aus der Begutachtung eines Menschen, im Zuge derer Mängelseiner geistigen Fähigkeiten festgestellt worden seien, folgerten, die Rechts- und Handlungsfähigkeit sei eingeschränkt. „Art.12 erlaubt keine derartige diskriminierende Schlussfolgerung im Hinblick auf die Rechts- und Handlungsfähigkeit,…

…Die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung dürfe nicht als Rechtfertigung dafür dienen, andere fundamentale Rechte von Menschen mit Behinderungen einzuschränken, insbesondere das Wahlrecht, das Recht zu heiraten (oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen), eine Familie zu gründen, fortpflanzungsmedizinische Rechte und Elternrechte geltend zu machen, in intime Beziehungen und medizinische Behandlung einzuwilligen und sich auf das Recht auf Freiheit zu berufen. Die Person müsse jederzeit das Recht haben, die Unterstützung abzulehnen und zu beenden oder eine andere Unterstützungsperson auszuwählen…

Unbedingt den ganzen Text hier lesen:
http://www.die-bpe.de/klaus_lachwitz.htm
Damit ist unmissverständlich klargestellt, dass das Bundesjustizministerium mit Lügen die Behindertenrechtskonvention beugt, um so die Repression durch Betreuer zu verstärken, siehe ausführliche Erklärung hier:
http://www.zwangspsychiatrie.de/2014/07/das-recht-nein-zu-sagen/

Das irre PsychKG

zwangHaben Sie schon einmal über das Risiko einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie nachgedacht?
Ein längeres Nachdenken über die Rechtslage könnte Sie direkt dorthin bringen.

Das ist der Titel eines Artikels von Heinrich Schmitz in der Zeitung The European vom 4.10., der die rechtlose Situation einer Zwangseinweisung sehr gut beschreibt.  Zitate daraus:

…Wenn der Betroffene dann ganz viel Glück hat, ruft der Richter den Anwalt  schon vor der Anhörung an und der Anwalt kommt gleich mit zur Anhörung. So wurde das früher meistens gemacht. Immer öfter fährt der Richter jetzt aber erst mal alleine zur Anhörung. Der Betroffene sitzt dann da, der Richter kommt, ein Arzt ist dabei und dann wird munter angehört. Würde dem Betroffenen eine Straftat vorgeworfen, würde er jetzt belehrt, dass er gar nichts zu sagen braucht. Aber er hat ja nichts verbrochen. Er kennt die Situation auch gar nicht, er ist nervös, er will raus, er ist verzweifelt, verwirrt, sauer, aggressiv, traurig oder er steht bereits unter Psychopharmaka und bekommt alles nur durch eine dicke Wattewand mit. Je nachdem. Meistens redet er mit dem Richter, in der oft irrigen Hoffnung, dieser werde ihn dann nicht unterbringen, sondern freilassen. So sind die Menschen. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber dann doch.

Er erklärt also, dass das alles ein Irrtum sei. Dass er weder sich noch anderen Leuten etwas antun wolle. Dass er vielleicht gesagt habe, das Leben habe keinen Sinn, dass das aber ja auch nicht zu widerlegen sei und keinesfalls bedeute, dass er sich oder andere umbringen wolle. Vielleicht nennt er den Richter aber auch korruptes Arschloch, was völlig unabhängig vom eventuellen Wahrheitsgehalt nicht clever ist. Ich habe schon unzählige dieser Anhörungen erlebt und ich wüsste nicht, wie ich mich selbst verhalten sollte, wenn ich einmal an der Reihe wäre. Was man macht, ist verkehrt bzw. kann gegen einen ausgelegt werden….

An einer Stelle widerspricht sich der Autor. Einerseits behauptet er:

…Es geht beim PsychKG darum, kranke Menschen davor zu bewahren für sich oder andere eine erhebliche Gefahr darzustellen. Es geht um den Schutz der Öffentlichkeit und um den Schutz des Betroffenen. Dagegen ist grundsätzlich gar nichts einzuwenden, wenn sichergestellt wäre, dass die Kriterien für eine solche Maßnahme auch tatsächlich vorliegen und irgendwie überprüfbar sind….

korrigiert sich dann aber so:

…Da die Kriterien für die Unterbringung sich nicht wie Blutalkoholwerte oder Geschwindigkeiten messen lassen, stellt die Entscheidung letztlich eine öffentlich-rechtliche Form von Hellseherei dar….

Bitte alles vollständig hier nachlesen.

Demonstration in Gießen

63_stgb_thumbam Mittwoch, 22.10. um 15 Uhr
Siebter Protestgang gegen Zwangspsychiatrie in Gießen
Start wie immer am Eingang Vitos Klinik Psychiatrie, Licherstraße.
Dann: Inspektion und Kundgebungen auf dem Gelände der Psychiatrie.

Flyer zum runter laden: http://www.projektwerkstatt.de/psychiatrie/termine/141022flyer.pdf

Psychiater hauen sich gegenseitig in die Pfanne: 200.000 € Schadenersatz

dgppn_demo_2009_8Obwohl es diese angebliche “psychische Krankheit” gar nicht gibt, haben Psychiater jetzt bei 3 hessischen Steuerfahndern gemerkt, dass sich die Stimmung der herrschenden Landesregierung gedreht hat und entsprechend haben sie opportunistisch nun die 3 davon frei gesprochen, damals vor Jahren “psychisch krank” gewesen zu sein. Geht doch – selbst so eine Rückwärtsbegutachtung :-)
Denn wenn man willkürlich “psychisch krank” schreiben kann, kann man genauso willkürlich so eine Diagnose auch widerrrufen – nur, wenn man das vor großem Publikum tut, merken alle, was für eine Betrugs- und Lügen-Schein”wissenschaft” die Psychiatrie ist.

Diese Psychiater haben sogar den Kollegen in die Pfanne gehauen, der jetzt rund 200.000 € Schadenersatz dafür zahlen muss, dass er seinem Auftraggeber, dem Fiskus des Landes Hessen, zu Diensten war. Das freut uns aufrichtig.
Berichte daüber bei Spiegel Online und der Frankfurter Allgemeine Zeitung.