Nie ein Krankenhaus ohne PatVerfü betreten..

…denn am 22.7.2017 ist in der BRD ein Gesetz in Kraft getreten, so dass bei allen Krankheiten in allen stationären Abteilungen eines Krankenhauses, eine medizinische Diagnose und Behandlung auch mit Zwang und Gewalt gegen den Willen durchgeführt werden kann, wenn man keine PatVerfü hat. Das ist sicherlich nicht immer dann der Fall, wenn man einem Behandlungsvorschlag seines Arztes oder Ärztin widerspricht. Aber insbesondere dann, wenn man bettlägrig sein oder werden sollte, also nicht mehr abhauen kann, ist durch dieses Gesetz nun die Möglichkeit geschaffen worden, dass man nicht mehr sicher sein kann, noch wirksam „Nein“ sagen zu können. Am Ende erklären wir, welche formalen Schritte von dem Ärzte-Richter-Betreuer-Filz dazu unternommen werden müssen, um wie zu einem Stück Fleisch entwürdigt zu werden, dessen „Nein“ bedeutungslos geworden ist. Ganz zu schweigen  davon, dass die Ärzte so jede Haftung für Fehlbehandungen im Vorfeld vereiteln und Nebenwirkungen der Behandlung als „eingebildet“ abtun können.

Mögen Ärzte in einem Krankenhaus die gewonnene Macht auch nicht immer ausspielen, alleine durch die Option, mit Zwang und Gewalt ihre Vorstellungen durchsetzen zu können, haben sie grundsätzlich kein Vertrauen mehr verdient. Vertrauen kann sinnvollerweise nur dann noch aufgebracht werden, wenn man rechtzeitig vor einem stationären Aufenthalt eine PatVerfü unterzeichnet hat [dringend zu empfehlen mit mindestens einem Vorsorgebevollmächtigen und am besten notariell beurkundet]. Denn solange man seine PatVerfü nicht widerruft, behält man die freie Wahl bei der Entscheidung, ob man Ja oder Nein zu einem Diagnostizierungs- und Behandlungsvorschlag seines Arztes oder seiner Ärztin sagen will, sobald man eine PatVerfü vorzeigt.
Eine PatVerfü zu unterzeichnen kostet nichts, aber die Freiheit im Krankenhaus verlieren zu können, ist existenziell teuer.

Durch eine PatVerfü wird die Gefahr einer Entmündigung gebannt.
Folgende Bedingungen müssen zwar erfüllt werden, um das „Nein“ eines erwachsenen Patienten zu übergehen, aber leider kann der Ärzte-Richter-Betreuer-Filz sie praktisch immer leicht erfüllen:

  • Sie müssen entmündigt sein, was irreführend „Betreuung“ genannt wird. Wenn Sie es noch nicht sind, so kann der Ärzte-Richter-Betreuer-Filz im Handumdrehen eine Eilbetreuung einrichten. Das dafür nötige psychiatrische Willkür- bzw….

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Demonstration in Königslutter

Am 29. Juli 2017 hat die „Inititative Zwangsbefreit“ bei der AWO-Zwangspsychiatrie in Königslutter eine Demonstration gemacht, Flyer verteilt, die Straße bemalt und die Passant*innen zur Teilnahme an der Demo eingeladen.
Ein interessanter und ausführlicher Bericht mit Bildern ist hier verlinkt.

Pride Parade auf Anti-Zwangspsychiatrie Kurs

Bericht einer Teilnehmerin von der Pride Parade am letzten Samstag:
„Ich bin völlig begeistert von der Pride Parade „behindert und verrückt feiern“:

Besonders hat mir gefallen, dass auch viele Andere Zwangspsychiatrie zum Thema gemacht haben:

  • Die „Initiative Zwangsbefreit“ aus Braunschweig,  war da und hat einen tollen Redebeitrag beim Stopp der Demo am Heinrichplatz gemacht.
  • Der Wagen der Erwerbsloseninitiative „Basta“ war mit einem großen Poster:„Geisteskrank – Ihre eigene Entscheidung www.patverfue.dedekoriert.
  • Bei der Verleihung des Negativ-Bühnenpreises „glitzernde Krücke“ wurden 3 Übel nominiert und dabei ‚vorgestellt‘. Zwei davon hatten mit Psychiatrie zu tun: Die DGPPN und der WPA-Kongress! ‚Gewonnen‘ hat die glitzernde Krücke zwar die Lebenshilfe, aber das macht ja nichts.
  • Zwei der RapperInnen haben in verschiedenen Songs das Thema psychiatrischen Zwang bzw. Antipsychiatrisches besungen.

Also unser Thema war sehr gut vertreten und die Menschen auch sehr offen und eine nette Atmosphäre. Das stimmt mich sehr zuversichtlich.“

Demo gegen Zwangspsychiatrie in Königslutter

Die „Initiative Zwangsbefreit“ hat zu einer Demonstration gegen Zwangsmaßnahmen und Gewalt in der Psychiatrie am 29. Juli  in Königslutter am Elm (in der Nähe von Braunschweig) aufgerufen. Die Demonstration startet um 14 Uhr beim Dom-Café in der Nähe des Eingangs der AWO-Zwangspsychiatrie (einer der Tatorte), siehe Karte hier:  http://goo.gl/maps/QR5JR656E6M2  , siehe Aufruf hier.

Gedenken nur, wenn dabei das Vergessen garantiert ist!
Am 2. Mai 2017, dem Day of Remembrance and Resistance, versuchte diese Zwangspsychiatrie der AWO, mit dem Hausrecht das Gedenken an die psychiatrisch Ermordete und die Demonstration am 2. Mai zu verhindern, hier der Bericht darüber.

Ehegattenermächtigung gekippt :-)

Mit Erleichterung konnten wir zur Kenntnis nehmen, dass der Bundesrat am 7.7. eine Entscheidung zur gesetzlichen Ehegattenermächtigung von seiner Tagesordnung genommen hat. Er hat damit in letzter Sekunde dieses schauerliche Gesetzgebungsverfahren gekippt, siehe unsere 3 Berichte dazu: Info vom 16.2. , Info vom 2.3., Info vom 16.3.

Gleichzeitig wurden die Forderungen der Berufsbetreuer abgewehrt, denn der Trick von deren Protagonisten (MdB Dr. Sütterlin-Waack und Dr. Bartke) ist gescheitert, auf die von den Ländern erwünschte Ehegattenermächtigung die Erhöhung der Berufsbetreuerbezahlung draufzusatteln (sog. „Omnibusverfahren“), um so verdeckt die Zustimmung der Bundesländer im Bundesrat zu erschleichen: Nun ist beides vom Tisch, denn die Legislatur ist abgelaufen; mit der Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt und das Weitere ist unabsehbar.

Die Berufsbetreuer sehen ihre Felle davon schwimmen
Nach dieser Niederlage zeigt der Bundesverband der Berufsbetreuer/innen (BdB) in einer empörten Erklärung, mit welchen verlogenen Verdrehungen er versucht hat, eine erhöhte Bezahlung durchzudrücken. Betreuer, die als willige Vollstrecker von Gericht und Ärzten noch so gut wie jede Zwangsbehandlung befürwortet bzw. beantragt haben, scheuen sich nicht zu behaupten: „Das werten wir als Missachtung des Selbstbestimmungsrechtes unserer Klienten und unserer Arbeit“. Sie sprechen also tatsächlich von den Foltermaßnahmen als Teil ihres Selbstbestimmungsrechts, das „missachtet“ würde! Außerdem dienten diese Foltermaßnahmen angeblich dem Selbstbestimmungsrecht der von ihnen verwalteten  Entmündigten. Der blanke Hohn! Wir wissen, wie machtgierig und ärztehörig Betreuer sind, um sogar durch alle Instanzen bis zum Verfassungsgericht zu erreichen, dass in einem Präzedenzfall eine entmündigte 63 jährige Frau, die an Krebs erkrankt war, gegen ihren Willen mit einer Brustamputation, Brustbestrahlung und Knochenmarkspunktion zur weiteren Diagnostik behandelt werden möge! Das Gesetz, das die Betreuer damit initiiert haben, wurde in derselben Bundesratssitzung verabschiedet. Als „Klient“ solcher „Betreuer“ kann man nun z.B. an allen 4 Extremitäten gefesselt, auf eine Trage geschnallt in einen Operationssaal überführt werden, wird dort – gegen den Willen – narkotisiert und verstümmelt, wacht z.B. mit abgeschnittener Brust auf. Zur weiteren Diagnostik wird mit Zwang eine Knochenmarkspunktion durchgeführt und die Brust zusätzlich zwangsweise bestrahlt werden können. Betreuer sind die Büttel der Ärzte und Richter, mit deren Hilfe ein Mensch zu einem Stück Fleisch entwürdigt wird, dessen geäußertes „Nein“ völlig ignoriert werden kann.
Nur eine rechtzeitig unterzeichnete PatVerfü kann eine Betreuung und deren fürchterliche Folgen verhindern.

Weiteres Zitat des BdB: Unsere „Arbeit sichert Menschenrechte, wird aber nicht gemäß der Verantwortung, der Bedeutung und des Umfangs bezahlt.“ Dabei ist inzwischen bewiesen, dass das Gegenteil der Fall ist:
Im 2. Zwischenbericht der durch das Bundesministerium der Justiz beauftragten Studie „Qualität der rechtlichen Betreuung“ wird in Abbildung 51 veranschaulicht, wie von den Betreuern offen zugegeben wird, dass zu 91 % nicht (nur) unterstützende Entscheidungen sondern (zumindest auch) ersetzende Entscheidungen getroffen werden (siehe hier)! Also ist die „Betreuung“ menschenrechtlich nach den Maßstäben der Behindertenrechtskonvention (BRK) die Katastrophe, die der UN-Fachausschuss für die BRK in seinen abschließenden Bemerkungen zu Deutschland forderte, zu beenden. Dabei sollte diese Studie die „Argumente“ dafür liefern, dass angeblich eine verbesserte „Qualität“, insbesondere durch Berufsausbildung, den tatsächlich erwünschten Zwangs- und Gewaltcharakter der Entmündigung verdecken könne. Ein Kategorienfehler – wie wenn Sklaverei durch bessere Qualität der Sklavenhaltung vertuscht werden könne, statt dass sie abgeschafft wird.

Am Montag hat der Bundesverband freier Berufsbetreuer bekannt gemacht, dass der Abschlussbericht der Studie erst nach der Bundestagswahl veröffentlicht wird, siehe Nachricht hier.

GB: Mehr und mehr Zwang

Wie schlimm sich in Großbritannien die Zwangspsychiatrie in den letzten Jahren entwickelt hat, wird im British Medical Journal (BMJ) berichtet. Das BMJ ist weltweit eine der bekanntesten und renommiertesten Mediziner-Zeitschriften.
Unter dem Titel „Is psychiatry becoming more coercive? [Wird in der Psychiatrie immer mehr Zwang ausgeübt?]
wird im Editorial der aktuellen Ausgabe des BMJ die Frage mit Ja beantwortet.
Zitate:

  • More than half of admissions to psychiatric hospitals in England are now involuntary, the highest rate recorded since the 1983 Mental Health..
    [Mehr als die Hälfte der Psychiatrisierten werden zwangseingewiesen, der höchste Anteil seit 1983…]
  • In England, the rate of involuntary psychiatric hospital admission has increased by more than a third in the past six years.
    [In England hat sich in den letzten 6 Jahren die Zwangseinweisungsrate um mehr als 1/3 erhöht].

Siehe: http://www.bmj.com/content/357/bmj.j2904?utm_medium=email&utm_campaign_name=201707188&utm_source=etoc_weekly

Die BRK hat dort offenbar das Gegenteil davon bewirkt, was sie verspricht. Noch einmal zeigt sich, wie entscheidend es war, dass wir in Bund und Ländern die ambulanten Zwangsbehandlungsgesetze 2003-2005 verhindern konnten – siehe hier -, in GB wurden sie hingegen durchgesetzt, siehe hier.

`Psychiatrie no go´ wieder im Internet

Der Psychiatriekritische Blog „Psychiatrie no go“ ist im Internet wieder aktiv geworden, siehe hier
Darunter z.B. die Meldung über die Verurteilung eines Betreuungsrichters beim BGH wegen Rechtsbeugung in Unterbringungsverfahren.

Neues Gesetz der Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen

Nie war die PatVerfü® so wertvoll wie heute!

Mit Entsetzen und Wut haben wir zur Kenntnis genommen, dass alle Verfassungsorgane in Deutschland, Bundestag und -Rat, die Bundesregierung und das Bundesverfassungsgericht, wie gleichgeschaltet einen Unterschied ums Ganze zwischen Menschen und sog. Geisteskranken machen. Wenn als angeblich oder tatsächlich „geisteskrank“ Entmündigte einer ärztlich für notwendig gehaltenen Duldung der Verletzung ihres Körpers widersprechen, können sie mit dem heute verabschiedeten Gesetz über die Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen zu einem Stück Fleisch entwürdigt, also sowohl ihrer Würde, als auch ihrer Menschenrechte beraubt werden, weil ein geäußertes „Nein“ völlig ignoriert werden kann.
Mit diesem Gesetz wird Richtern nun die Macht zugesprochen, Menschen, die zu ihrem angeblichen „Wohl“ entmündigt wurden, in jeder beliebigen Station jedes beliebigen Krankenhauses zwangsbehandeln zu lassen. Z.B. könnten Betroffene an allen 4 Extremitäten gefesselt in einen Operationssaal überführt werden und dort – gegen ihren Willen – zwangsnarkotisiert und verstümmelt werden, um dann mit beispielsweise amputierter Brust aufzuwachen. In dem dieser Gesetzgebung zugrunde liegenden Fall hätte außerdem zur weiteren Diagnostik mit Zwang eine Knochenmarkspunktion durchgeführt und die Brust zusätzlich zwangsweise bestrahlt werden sollen.

Solchen Horrorvorstellungen muss man einen Riegel vorschieben. Deshalb sollte jede/r Erwachsene unbedingt eine Patientenverfügung mit eingebauter Vorsorgevollmacht vom Typ PatVerfü haben. Damit wird verhindert, dass man entmündigt werden kann, weil die dafür notwendige psychiatrische Untersuchung und Diagnose von vornherein rechtswirksam untersagt wird. Um jedes Risiko auszuschließen empfehlen wir außerdem, grundsätzlich jedes Gespräch mit einer/m PsychiaterIn oder einem sozialpsychiatrischen Dienst (SpD) zu verweigern. Wenn man in eine Psychiatrie verbracht oder zu einem Gespräch zu einem sozialpsychiatrischen Dienst geladen werden sollte, immer nur stumm die eigene PatVerfü vorzeigen bzw. kommentarlos in Kopie dem SpD zuschicken.

Um jedem Richter von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, empfehlen wir die notarielle Beurkundung der PatVerfü.
Alle Informationen mit Tipps und vielen Hinweisen, das Formular und ein Handbuch sind hier zu finden: www.Patverfü.de
Dieses Gesetz ist einen Tag nach dessen Verkündigung, also am 22.7.2017 in Kraft getreten. [Ergänzt am 22.7.]
Wenn man noch keine PatVerfü hat, ist es also höchste Zeit, sich mit der PatVerfü zu beschäftigen.
Wenn man schon eine hat, diese besser noch zusätzlich durch eine notarielle Beurkundung absichern.

Dies ist eine Presseerklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener: die-bpe.de, Irren-Offensive: antipsychiatrie.de, Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg: psychiatrie-erfahren.de, Werner-Fuß-Zentrum: psychiatrie-erfahrene.de

Beweis: Forensik-Psychiater wissen gar nix

Wie lächerlich und absurd die Vortäuschung ist, es gäbe psychiatrisches Wissen, wurde am Dienstag dieser Woche in der ZDF Dokumentation 37° eindrucksvoll bewiesen: Gert Postel als „Psychiater“ ist kein Einzelfall mehr, sondern kann zum Regelfall erklärt werden.
Alexandra Beek war „falsche“ Psychiaterin in Wuppertal (2 Jahre) und bleib in Berlin sogar im „Wilhelm-Sander-Haus„, im hoch gesicherten Forensik-Knast in der nach dem Nazi-Verbrechens-Arzt Karl Bonhoeffer benannten „Nervenklink“, unentdeckt.
Hier die bemerkenswerte Stelle bei Youtube:

 

Daraus der knalligste Ausschnitt tran­skri­bie­rt:

ZDF: „Wie es zur Anstellung von Alexandra B. kam, dazu schweigt das Krankenhaus. Damals, im Dezember 2015 gibt es etliche Bewerber für die ausgeschriebene Facharztstelle. Ein Gremium aus Oberärzten und der Klinikleitung führt die Bewerbungsgespräche. Dabei geht es vor allem um Alexandras Doktorarbeit.“
Alexandra Beek: „Die haben gefragt: „Worüber haben Sie denn promoviert? Wie hieß denn das Thema?“ Dann habe ich gesagt: „Grenzen und Möglichkeiten moderner Psychopharmakotherapie am Beispiel schizophrenen Residiuums“.“
ZDF: „Alexandra schildert Versuche, die sie sich nur ausgedacht hat. Die Reaktion des Fachgremiums überrascht Alexandra selbst.“
Alexandra Beek: „Dann wollten sie wissen, wie das Ergebnis war, dann habe ich gesagt: „Bei Menschenen, die so lange hoch dosiert diese Medikamente genommen haben, hätte sich an deren Befinden nichts verändert. Auch ohne Medikamente nicht.“  Da wären sie ganz begeistert davon – das wäre ein wissenschaftlicher Durchbruch gewesen und interessant wohl.“
ZDF fragt: „Wollten sie die Doktorarbeit sehen?“
Alexandra Beek: „Nein – die gab’s ja auch nicht!“
ZDF: „Sie ist offenbar sehr überzeugend: die Klinik stellt sie ein.“

Wer die ganze Dokumentation sehen will, findet sie in der ZDF-Mediathek hier.

Bitte merken: Alle PsychiaterInnen immer nur konsequent mit Herr Postel bzw. Frau Beek ansprechen.

Prof. Rohrmann kritisiert Forschungsvorhaben: `Qualität der rechtlichen Betreuung´

Prof. Eckhard Rohrmann ist einer der bekanntesten und profiliertesten auf Behindertenpädagogik spezialisierten Hochschullehrer, der am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg lehrt.

Er hat seine hier veröffentlichte Stellungnahme zur Umsetzung des Art. 12 der Behindertenrechts-konvention (BRK) sowie die damit korrespondierenden Artikel  in den Abschließenden Bemerkungen des UN-Fachausschuss für die BRK aktualisiert bzw. ergänzt. Wir berichteten über seine Stellungnahme hier. In seiner Aktualisierung kritisiert er anhand der zwei inzwischen veröffentlichten Zwischenberichte zurecht das Forschungsvorhaben: „Qualität der rechtlichen Betreuung“:

Ergänzungen im Juni 2017 
Das vom Bundesjustizministerium als Reaktion auf die Ausführungen des CRDP in seinen Abschließenden Bemerkungen zum 1. Staatenbericht der Bundesrepublik über die Umsetzung der UN-BRK ausgeschriebenen Forschungsvorhaben zum Thema „Qualität der rechtlichen Betreuung“ (siehe Fußnote 14 meiner Stellungnahme) wurde zwischenzeitlich an das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (ISG) in Köln vergeben. Dieses hat mittlerweile zwei Zwischenberichte über die jeweils bis zur Veröffentlichung vorgenommenen Forschungsschritte und deren Ergebnisse vorgelegt (ISG 2016; ISG 2017). Einige Aspekte dieser Berichte sollen in diesen ergänzenden Anmerkungen zu meiner vorangegangenen Stellungnahme kommentiert werden.

Wie angesichts des an der eigentlichen Problemstellung vorbeigehenden Forschungsauftrages kaum anders zu erwarten, wurde auf die vom Komitee festgestellte

„Unvereinbarkeit des im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegten und geregelten Instruments der rechtlichen Betreuung mit dem Übereinkommen“ und die dringende Empfehlung, „alle Formen der ersetzten Entscheidung abzuschaffen und ein System der unterstützten Entscheidung an ihre Stelle treten zu lassen“ (CRPD 2015, Nr. 25, 26)

nicht eingegangen. Vielmehr konstatieren die Auftragnehmer des Projektes ganz im Sinne ihres Auftraggebers:

„Die Achtung des Willens und der Selbstbestimmung der betreuten Person wurde in Deutschland mit Einführung des Betreuungsrechts 1992 verpflichtendes und zentrales Element“ (ISG 2017, S. 2),

denn, so heißt es schon im 1. Zwischenbericht:

„Ein freier Wille (sei er aktuell oder früher geäußert) des Betreuten ist stets zu beachten, auch hat der Betreuer den Wünschen zu entsprechen, sofern diese dem Wohl des Betreuten nicht zuwiderlaufen“ (ISG 2016, S. 15, Hervorhebung ER).

Genau hier aber liegt der zentrale Dissens zwischen den Auffassungen des Auftragsgebers der vorliegenden Studie, welche sich der Auftraggeber zu eigen gemachen hat, auf der einen und des UN-CRDP auf der anderen Seite, das bereits in seinem General Comment zu Art. 12 der UN-BRK unmissverständlich klargestellt hat:

„Alle Formen der Unterstützung bei der Ausübung der rechtlichen Handlungsfähigkeit (einschließlich intensiverer Formen der Unterstützung) müssen auf dem Willen und den Präferenzen der betroffenen Person beruhen und nicht auf dem, was für ihr objektives Wohl erachtet wird“ (CRDP 2014, Nr. 29b, Hervorhebung ER).

Das soll an dieser Stelle nicht erneut vertieft werden. Hierzu wird auf die Ausführungen der voranstehenden Stellungnahme verwiesen. Diese Ergänzungen enthalten

  1. kritische Anmerkungen zur Anlage der bisher vorliegenden Untersuchungen und
  2. die Herausstellung eines bemerkenswerten, im zweiten Zwischenbericht dokumentierten Ergebnisses, welches die kritischen Äußerungen des UN-CRDP in seinen Abschließenden Bemerkungen in bedrückender Weise bestätigt, in seiner Tragweite allerdings nicht wirklich gewürdigt wird.

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