Kate Millett ist verstorben

Eine sehr traurige Mitteilung:
Kate Millett ist am 6. September in Paris im Alter von 82 Jahren verstorben.
In den Nachrufen wird beinahe nur erwähnt, welchen wichtigen Beitrag sie für den Feminismus geleistet hat, insbesondere durch ihr Werk Sexual Politics (1970; deutsch: Sexus und Herrschaft, 1971).
Kaum überschätzt werden kann aber, wie wichtig sie für uns, die Bewegung gegen die Zwangspsychiatrie, war. Angeregt durch ihr Buch Der Klapsmühlentrip machte die Irren-Offensive 1994 eine Reise nach New York und besuchte Kate in ihrer Farm in Poughkeepsie. Im Video ist zu sehen, wie Kate uns anregte, das Problem politisch zu sehen, z.B. demonstrieren zu gehen: https://youtu.be/0lMauyX51z4?t=10m32s

Vier Jahre danach war es soweit – die Irren-Offensive hatte ihren Fokus auf einen politischen Schwerpunkt verlagert. Mit einem öffentlichen Tribunal an der Volksbühne hatten wir ein eigenes Gericht geschaffen, das Foucault Tribunal. Kate besuchte uns und wurde die Sprecherin der Jury. Zusammen mit Hagai Aviel aus Israel bestand sie darauf, dass ein Tribunal ein Gesetz als Maßstab für sein Urteilen haben muss. Darüber hatten wir uns noch gar keine Gedanken gemacht, waren uns in der Jury aber sofort alle einig, dass auf Vorschlag von Hagai dieses Gesetz die Universalen Menschenrechte sein müssen. Kate verkündete das zusammen mit den Anklagepunkten. Später befragte sie kritisch die Verteidigung, den Ärztekammerpräsidenten usw., die wichtigsten Ausschnitte siehe im Video:

Drei Jahre danach war Kate 2001 wieder in Berlin und Sprecherin des 5. internationalen Russell Tribunals zur Frage der Menschenrechte in der Psychiatrie.
Auf einen Hinweis von Kate war damals in der Auftaktveranstaltung die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, durch ein Grußwort eingebunden worden, Fotos siehe hier.
Das war einer der Anstöße für die UN-Behindertenrechtskonvention von 2007.
2002 entstand in Kates Farm mit ihrer Hilfe die Laudatio zur Verleihung des Freiheitspreises an Thomas Szasz.

Nachrufe im Guardian, Tagesspiegel, Taz, Deutschlandfunk, WDR