Ausladung des WPA-Kongresses 2017 in Berlin

Psychiatry: Fake science. Real harm.
Psychiatrie: Fiktive Wissenschaft. Tatsächlich Schaden.

ist der Titel einer Kampagne gegen den Plan der WPA, 2017 ihren nächsten Welt Kongress in Berlin zu veranstalten.
Am 3. Dezember 2015 hatte die-BPE die WPA ausgeladen.
Bisher hat die-BPE von dem WPA-Präsident noch keine Antwort bekommen, die er ihr am 4. Dezember 2015 versprochen hatte. „Ich … werde vollständig antworten.“
Auch wir verstehen dieses Schweigen so, dass die WPA damit zeigen will, dass sie sich mit der deutschen Psychiatrie solidarisiert und deren verbrecherischen Massenmord mit „internationaler Unschuld“ zu beschönigen versucht.
Um der Öffentlichkeit ein eigenes Urteil zu ermöglichen, hat die-BPE jetzt ihre Korrespondenz mit der WPA auf ihrer Homepage veröffentlicht: http://www.die-bpe.de

Unten ist ihr Brief mit der Ausladung wiedergegeben.
Die nachfolgende Korrespondenz ist hier zu finden: http://www.die-bpe.de
Dort befindet sich auch ein Video-Interview (siehe oben) mit dem WPA-Präsidenten, das die-BPE in Untertiteln mit ihrem Kommentar versehen hat.

Auch wir bitten um Unterstützung, dieses abscheuliche Treffen in Berlin zu verhindern. Teilen Sie der WPA Ihre Bestürzung über Berlin als Ort für diesen Weltkongress mit. Gerne kann dazu aus der Korrespondenz mit der WPA etwas kopiert und in eigenen E-Mails verwendet werden.
Auch der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener hat am 28.12.2015 die WPA ausgeladen. Dessen Brief an die WPA ist inzwischen auf Seite 14 des BPE-Rundbriefes veröffentlicht.


Betreff: Ausladung
Datum: Thu, 3 Dec 2015 11:10:19 +0100
Von: die BPE <die-bpe@gmx.de>
An: Dinesh Bhugra <dinesh@dineshbhugra.net>
Kopie (CC): Kallivayalil, Secretary General <wpasecretariat@wpanet.org>

An den Präsidenten der World Psychiatric Association (WPA)
Professor Dinesh Bhugra
Institute of Psychiatry (King’s College London)
De Crespigny Park
PO Box 25, HSPRD
London SE5 8AF

Sehr geehrter Herr Professor Dinesh Bhugra,

Die Opfer psychiatrischen Zwangs in Deutschland haben angewidert davon Kenntnis genommen, dass die WPA plant, ihre Welt-Konferenz im Oktober 2017 in Berlin abzuhalten. Wir, Menschen, die unter den Verbrechen leiden, die deutsche Psychiater begehen, laden die WPA aus.

In Deutschland nennen wir Psychiater: Staatlich geschützte Verbrecher und nirgendwo auf der Welt ist dies zutreffender als in Berlin. Die Industrialisierung des Massenmords psychiatrischer Gefangener in der Gaskammer wurde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin organisiert. Bis 1941 wurde weitergemordet, als das Personal, die Technik und ein Teil der Gerätschaften in die Vernichtungslager im besetzten Polen exportiert wurde. Henry Friedlander dokumentiert diesen Beginn des Holocaust in seinem Buch „Der Weg zum NS-Genozid“. Der Massenmord in den deutschen Psychiatrien wurde bis 1949 (von 1945 bis 1949 ohne das NS-Regime) durch systematisches Tod verhungern lassen und tödliche Spritzen fortgesetzt (dokumentiert von Heinz Faulstich in seinem Buch, auf des Ernst Klee Bezug nimmt).

Sollte die WPA den Plan eines Weltkongress in Berlin mit dem Titel: Psychiatrie des 21. Jahrhunderts: Kontext, Kontroversen und Verpflichtung weiter verfolgen, würde die WPA damit zeigen, dass Psychiatrie in Deutschland als „business as usual“ fortgesetzt werden kann. Das wäre ein Reinwaschen des deutschen psychiatrischen Massenmords, weil diese Verbrechen dann als eine Geschichte des vergangenen Jahrhunderts bagatellisiert würden, die jetzt vergessen werden könne. Eine solche Entscheidung sehen wir als eine Solidarisierung mit der deutschen Psychiatrie und der Verbrechen, die sie begangen hat, an.

Deutsche Psychiater waren nicht nur von 1939 bis 1949 Verbrecher – nach 1949 setzte die deutsche Psychiatrie schamlos Folter und grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung fort und erfüllt bis heute nicht die UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD). Im Jahr 2015 hat das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte dies im Bericht des UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung dokumentiert, Zitat:

33. Der UN-BRK-Fachausschuss ist zutiefst besorgt, dass der Vertragsstaat [Deutschland] die Verwendung von physischen und chemischen Fesseln, Einzelhaft und andere schädliche Praktiken nicht als Folter anerkennt. http://tinyurl.com/CPRD-report

Auch aus diesem Grund sagen wir, dass Psychiater: staatlich geschützte Verbrecher sind. Die Richtlinien des Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen regeln zu Artikel 14 der CRPD das Recht auf Freiheit und Sicherheit von Menschen mit Behinderungen. Jede psychiatrische Gefangennahme ohne vorherige Zustimmung des Betroffenen durch eine positive psychiatrische Vorausverfügung ist jetzt das Verbrechen einer Freiheitsberaubung. Jede psychiatrische Zwangsbehandlung ohne vorherige Zustimmung durch eine positive psychiatrische Vorausverfügung ist jetzt das Verbrechen einer Körperverletzung und Folter/CID Behandlung.

Die WPA sollte daher ihren Weltkongress außerhalb von Deutschland abhalten. Zusätzlich empfehlen wir, eine thematische Konferenz zur Geschichte der Psychiatrie einzuberufen, inklusive Ausflügen zu den Gaskammern in Bernburg und Hadamar, die noch in ihrem ursprünglichen Zustand sind, zu anderen Gedenkstätten und zum deutschen Staatsarchiv mit mehr als 7.000 Akten ermordeter Opfer.

Mit freundlichen Grüßen,
René Talbot und Uwe Pankow
Für den Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener

PS. Wir senden Kopien dieses Schreibens an einige Ihrer WPA Kollegen.

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