Notgedrungen Gewaltfreiheit – geht doch!

Unter dem Titel:
Ohne Zwangsmaßnahmen in Israel –
eine unerwartete Erfahrung
hat Martin Zinkler für das Heft 1/2020 von Recht & Psychiatrie einen Bericht aus Israel übersetzt. Daraus zitieren wir:

Im Jahr 2014 während des Konflikts „Protective Edge“ zwischen Israel und der Hamas in Gaza war die Stadt Beersheva vier Wochen lang häufigen Raketenangriffen ausgesetzt. Alle Fixierungen (4-Punkt-Fixierungen) und Isolierungen (Einsperren in einem gepolsterten Raum) waren während dieser vier Wochen verboten, damit alle Patienten innerhalb von 30-45 Sekunden in raketensichere Räume gebracht werden konnten. Während  des gesamten Monats ohne Fixierungen und Isolierungen fanden die Teams der psychiatrischen Klinik in Beersheva alternative Lösungen. Dabei wurde improvisiert und es gab keine Zwischenfälle, bei denen jemand zu Schaden kam, weil es keine Fixierungen und Isolierungen mehr gab.
Diese Erfahrungen machten Mut für die Implementierung eines Programms, das ohnehin schon seit zwei Jahren geplant, aber bisher noch nicht umgesetzt war:…

Martin Zinkler, der Chefarzt der Psychiatrie Heidenheim, setzt sich glaubhaft für eine gewaltfreie Psychiatrie ein. Er hat mit seinem Text: „Ohne Zwang – ein Konzept für eine ausschließlich unterstützende Psychiatrie“ ausbuchstabiert, wie das Ende der Zwangspsychiatrie der Anfang eines mit den UN-Menschenrechten konformen Unterstützungssystem würde, siehe: https://www.zwangspsychiatrie.de/2019/10/geht-doch-gewaltfreie-psychiatrie-jetzt-10435/
Mit dieser Übersetzung über die Geschehnisse in Israel zeigt er wieder, dass das ganze Gerede von der Alternativlosigkeit im Bezug auf psychiatrische Gewalt schlicht gelogen ist und es – wenn es sein muss – also auch ohne Fesseln und Isolieren geht.
Tatsächlich ist es nur eine Vortäuschung, ein Vorwand, um den Wunsch und Willen nach der psychiatrischen Repression für den Machterhalt zu kaschieren.

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