‚Ich bin Gert Postel – Du bist Gert Postel – Ihr seid Gert Postel‘

Ein Youtube-Video live von der Party von „Pilz“ aus Anlass der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Beef“ in Berlin gibt es hier:

Die Facebook Kommentare dazu kann man hier nachlesen.

Die Taz berichtete darüber am 19.6.:

Der Gerappte
Als Titelschwindler und Arzt-Imitator ist Gert Postel ein Meister seines Faches. Im Gegensatz zu episodenhaften Erfolgen vom Schlage eines Hauptmanns von Köpenick beweist er die potenzielle Nachhaltigkeit von Hochstapelei: Es ist schon 33 Jahre her, dass Postel, der in Bremen als Postschaffner arbeitete, als Dr. Dr. Bartholdy eine ärztliche Karriere im Flensburger Gesundheitsamt begann, bei der er zum leitenden Oberarzt avancierte und zahlreiche Fachgutachten für Strafprozesse verfasste. Dennoch wird er nach wie vor als schillernde Galionsfigur der Anti-Psychiatrie-Bewegung hochgehalten – und nun mit einem Youtube-Rap repopularisiert.

„Ich hielt es nicht für nötig in der Hauptschulklasse aufzupassen, oder mich für Hausaufgaben aufzuraffen“, legt Rapperin Pilz los, die dabei mit Briefträger-Jacke durch die Straßen läuft, die Klamotten auf den Boden pfeffert und verkündet: „Ich wurde Facharzt, egal ob ich das kann. Ein paar nervenkranke Patienten mit Medikamenten zu behandeln, das ist gar nicht so schwer.“ Dazu Beats, Elektro-Gepiepe und Pilz‘ leicht schrille Stimme, die den Refrain rappt: „Ich bin Gert Postel, ich bin Gert Postel.“

Das Video ist erst wenige Tage im Netz, aber schrammt schon an der 40.000er-Klickmarke: Eine jüngere Generation entdeckt ihren Postel und rezipiert den hochbegabten Hochstapler als eine Art Robin Hood der Moderne, als „Psychiatrie-Entlarver“ und Konterkarierer gängiger Karriere-Mechanismen.

Der echte Postel, seit gestern 57 Jahre alt und als Privatier in Tübingen damit beschäftigt, „Bildungslücken zu schließen“, hat sich mit Pillen und Spritzen wohlweislich zurückgehalten, das sagt er zumindest selbst. Schließlich steht ihm am Beispiel seiner Mutter vor Augen, wie fatal und verantwortungslos falsche Medikationen sind. Der neue Netz-Ruhm behagt ihm trotzdem: „Solche Würdigungen muss man huldvoll entgegennehmen“, sagt er der taz

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